Ach unser Bundesrat

Als Christ fühle ich mich in meiner Einstellung zu unserer Regierung herausgefordert. Wie stehe ich zu meinem Bundesrat, der in meinen Augen gerade schlimme Sachen verbricht?

Dieser Beitrag ist kein Lehrtext, sondern er soll zu einer Diskussion führen. Ich fühle mich diesbezüglich sehr alleine. Niemand will mit mir diskutieren oder mir widersprechen, niemand will Stellung beziehen. Das muss doch einfach ändern, finde ich. Unser politisches System lebt davon, dass sich die Menschen engagieren und einmischen.

Warum denke ich überhaupt so? Das ist zwar nicht das Thema hier, aber trotzdem kurz zum Verständnis, wie ich denke. Dies ist meine Meinung. Gerne darfst du Dein Einverständnis oder Deine andere Sicht in die Kommentare schreiben.

Der Bundesrat verfügt im Moment Massnahmen, die schlimm und schädlich sind: Isolation von Heimbewohnern und Kranken, Maskenpflicht, Einschränkung der menschlichen Kontakte, Misshandlung der Kinder, Verweigerung von Therapien bei Kranken, Förderung einer unsicheren Impfung. Er behauptet, diese Massnahmen dienten der Bekämpfung einer schlimmen Krankheit. Wissenschaftlich ist diese Ansicht längst widerlegt. Trotzdem beharrt er weiterhin auf diesen Massnahmen und plagt uns damit. Was seine eigentliche Beweggründe sind, ist völlig unklar.

Ich bin also nicht gleicher Meinung mit meiner Regierung. Nun, das ist nicht aussergewöhnlich und kein Problem. Es geht mir häufig so. Wir sind in einer Demokratie, die Mehrheit sagt, wo es lang geht, und das unterstütze ich. Aber jetzt handelt die Regierung schädlich, sie regiert nicht im Interesse der Menschen, sondern schadet ihnen aktiv. Muss ich als Christ die Regierung trotzdem unterstützen? Wann darf ich nicht mehr einfach zusehen? Wo ist meine Verantwortung?

Wir Christen zitieren da ja gerne Paulus in Römer 13. Da scheint ja alles gesagt. Und Paulus hat das geschrieben zu einer Zeit, als die Regierung nicht die Beste war, nicht ein gewählter Bundesrat wie wir ihn haben.

Ich verstand diesen Text noch nie wirklich. Welche Situation beschreibt Paulus da? Er schreibt: “Die Staatsgewalt steht im Dienst Gottes zum Nutzen jedes Einzelnen”. Das umschreibt ja kaum die Situation unter Kaiser Nero. Geht es darum, dass wir nicht rebellieren sollen gegen die Regierung, nur weil sie uns nicht passt? Dass wir nicht Ordnung gegen Chaos tauschen sollen? Ich weiss es einfach nicht. Aber ich verstehe auch sonst Paulus mnchmal nicht. Ich bin ja auch kein Paulus-Jünger. Sondern ein Nachfolger Jesu.

Was würde Jesus machen? Dies Frage scheint mir viel wichtiger.

Jesus lebte in einem besetzten Palästina. Meines Wissens hat er sich nicht gegen die römische Besatzungsmacht geäussert. Als man ihn mit einer entsprechenden Frage aufs Glatteis führen wollte, hat er sich elegant herausgewunden. Aber ich denke, er hat damit ein Prinzip vermittelt. Die Römer, die das Land besetzten, waren für ihn nicht das Problem. Er sah keinen Grund, diese schlimme Umstände zu beseitigen. War er also unpolitisch? Nein. Die Römer waren Besatzungsmacht, wollten Geld, duldeten keinen Herrscher neben sich. Aber ins gesellschaftliche Leben mischten sie sich nicht ein. Das sehen wir später, als die römischen Gouverneure sich explizit nicht äussern wollten zu innerjüdischen Themen und das bewusst der lokalen Regierung überliessen. Palästina war ein Gottesstaat, das Judentum Staatsreligion. Die Jüdische Elite war in ihrer Stellung vergleichbar mit den Ajatollahs im Iran. Der Hohe Rat war die Legislative, es gab zwei jüdische Parteien, die politisch die Richtung bestimmten. Dies war die Regierung in Palästina, die römischen Herrscher waren im Alltag der Bevölkerung unbedeutend. Auch die Staatsgewalt wurde in erster Linie nicht durch die Römer, sondern durch die lokale Polizei durchgesetzt. Stimmt vielleicht nicht ganz, aber so ähnlich wars damals.

Wie stand nun Jesus zu dieser seiner Regierung? Nun, er war durch und durch gläubiger Jude, geschult, aktiver jüdischer Prediger. Er war weit entfernt, die jüdische Gesellschaftsstruktur abschaffen zu wollen. Aber: den mächtigen Juden fuhr er gnadenlos an den Karren. Er wich nie einem Konfikt aus, wenn er es für wichtig erachtete. Was war ihm denn wichtig? Die jüdische Elite hatte ein riesiges Regelwerk kreiert, das sich formal auf das mosaische Gesetz stützte, aber im Inhalt nicht mehr diesem entsprach. Es diente dazu, die Menschen zu knechten und zu beherrschen und die Eliten zu stützen. Überall da, wo Menschen durch die Eliten geplagt wurden, setzte sich Jesus für sie ein. Deshalb machte er sich so verhasst bei ihnen. Hätte er sich in die Struktur der Eliten eingefügt, wären seine Lehren willkommen gewesen. So aber wurde er ausgegrenzt und bekämpft. Aber er blieb kompromisslos in den wichtigen Punkten. Daneben war er der herzlichste Mensch, alles andere als ein Tüpflischiisser, immer gesprächsbereit mit allen, und stellte den Menschen ins Zentrum. Nie das Gesetz. Er ging auch bedenkenlos über klare Regeln des Gesetzes hinweg, wenn es den Menschen diente.

Was würde Jesus als Schweizer heute so tun? Ja, ich weiss, so zu fragen ist nicht korrekt, das darf man nicht. Aber es ist halt die Frage, die ich mir im Alltag auch stelle. Meine Gedanken: um die Weltpolitik, in der wir sowieso nichts bewirken, würde er sich foutieren, so wie um die römische Besatzungsmacht. Er würde sich nicht um Trump und China kümmern. Sein Thema wären die Schweizer und ihre Beziehnung zu Gott. In diesem Kontext hätte er Freude an unserem politischen System, das das Wohl der Menschen ins Zentrum stellt. Er würde es toll finden, dass hier auch einfache Leute gefragt werden. Er würde sich um sein Reich kümmern, das nicht von dieser Welt ist, und es den Menschen nahe bringen. Und er würde entschieden intervenieren, wenn Menschen ausgegrenzt und geplagt werden, wenn Gesetze nicht den Menschen dienen, sondern den Eliten. Er würde nie, nie, NIE sagen: “Der Bundesrat ist von Gott eingesetzt, und egal wie sinnlos und schlimm seine Verordnungen sind, sie entsprechen Gottes Willen”. In Jerusalem hat er den Kommerz aus dem Tempel, dem Heiligtum vertrieben, weil er den Zweck des Tempels störte. Er würde es nicht dulden, dass sich seine Jünger hinter Masken verstecken, wenn sie sich treffen, dass sie sich nicht umarmen dürfen, nur weil die Elite für sich einen Vorteil darin sieht. Er würde durchdrehen darüber, dass Kinder ihre Eltern nicht mehr versorgen dürfen mit dem Nötigsten, mit Nähe und Zuneigung, genau so wie er das auch zu seiner Zeit entschieden verurteilt hat. Jesus hat die Regeln im Gesundheitssystem respektiert, aber er liess sich nicht abhalten, auch den Infektiösen, Schwerkranken nahe zu sein und zu helfen. Und die Entwicklung und Förderung der Kinder war ihm ein Herzensanliegen. er hätte es nicht geduldet, dass sie in einem Klima von Angst und Isolation und Ausgrenzung erzogen werden. Nie.

Was denkst Du? Ich bin gespannt.

4 Gedanken zu „Ach unser Bundesrat

  1. Die Politische Ethik ist ein sehr, sehr, sehr breit und sehr weit durchdachter Topos auch in der theologischen Ethik. Die Werke dazu umfassen bestimmt hunderttausende von Seiten aus der Feder auch der brilliantesten Theologen aller Zeiten. Die Antworten – wer hätte es gedacht – gehen über die Zeit der Kirchengeschichte und über die Konfessionen und Arten von Gemeinden weit auseinander. Für den Wissenschaftler ist das spannend, herausfordernd, und im Oberseminar könnte man dazu jahrelang diskutieren. Ich würde auch sagen, die Frage “was würde Jesus heute als Schweizer machen” hilft nichts, sie ist eher sinnlos. Die richtige Frage ist: was sollen wir machen …
    Meine Antwort hier ist aber trivial: im unserer Zeiten, in unserem System, und bei den aktuellen Massnahmen ist Widerstand ein ethisches Gebot, in welcher Form eines der sogenannten “Verantwortunhsethik”, (was wirkt wie …).. Mich entsetzt übrigens mehr die naive Dummheit, Faulheit, Bequemlichkeit, Blindheit und Sattheit offenbar auch vieler Formen, welche lieber den Lügen und bösen Absichten glauben und nachfolgend, als der hässlichen Wahrheit offen ins Auge zu blicken. Solange man letzteres macht, kommt man ja gar nicht bis zu deiner Frage, was eine ethisch gute Reaktion gegen diese vielfältige Bosheit ist.

    Frohen Montag

  2. Hallo Paul
    Da mir Dein Engagement in dieser weltumspannenden Problematik, schon lange bekannt ist, freue ich mich Dir mitzuteilen, dass ich das sehr gut finde, was Du tust. Du kriegst von mir mehr Anerkennung als unsere Regierung.

  3. Ich schliesse mich gerne den Worten von Hans Isenegger an.
    Ich empfinde es so: Wir (die Schweiz, Europa..) sind momentan noch im Massnahmen-Tunnel. Unsere Behörden auch. Damit meine ich so eine ähnliche Situation, wie ich sie vor meinem Burnout erlebt habe. Der Tunnelblick: Man denkt, es kommt schon wieder, spürt aber genau, dass sich so viel ringsherum verändert, das man nicht im Griff hat..Die Gründe, warum der Bundesrat uns so lange in den Tunnel zwingt, sind nicht nachvollziehbar. Der Blick vieler auch meiner Mitmenschen scheint so voller Angst und Panik. Das Ende des Tunnels sehe ich auch noch nicht. Und Ideen habe ich auch grad keine weltbewegende. Wach bleiben, beten, trösten, lachen, immer wieder fragen: was kann ich heute gescheites tun? Und bei jeder Gelegenheit sagen, das wir dankbar sein können, dass es kein ganz schlimmer Virus war. Wir haben es nicht gewusst vor einem Jahr, jetzt wissen wir es. Liebe Grüsse aus Neerach

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