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Auf See

Den Sonnenaufgang auf See will ich unbedingt sehen. Um viertel nach sechs bin ich gerade richtig für den ersten rötlichen Schein. Um sieben steigt die Sonne hinter Elba auf, tiefrot, danach feurig hell, einfach perfekt. Auf Seite Korsika steht der Vollmond am Himmel.

Wir haben Aussenkabine gebucht, die linke Seite zeigt genau nach Osten, es hätte also da auch gepasst mit der Sonnensicht. Leider hängt ein Rettungsboot genau vor dem Fenster. Und ein Durchgang führt auch am Fenster vorbei. Ist also nicht viel wert, das Fenster. Aber die Qualität stimmt: Pyro suisse Glas.

Das Frühstück ist italienisch, starker, heisser Kaffee, süsser Gipfel, weisses, trockenes Brötli. Später überzeugt die Kulinarik nicht. Aber das Bootsleben ist trotzdem schön.

Wir sitzen an Deck an der Sonne, schauen aufs Meer, auf Korsika, später auf Sardinien. Bis zum prächtigen Sonnenuntergang ist rechts immer Land in Sicht. Sardinien ist riesig, und die korsischen Berge sind weit herunter schneebedeckt.

 

Am Nachmittag tauchen ein paar Delphine auf.

Es ist gut so, finde ich. Eigentlich könnte es so ähnlich noch eine Weile  weitergehen. So ein oder zwei Jahre vielleicht.

Ich fühle mich in einer anderen Welt. Auf dem Schiff reisen natürlich vor allem Tunesier. Es hat viele Familien, aber noch mehr Männer, vor allem auch junge. Sie reisen zu ihren Familien und verbringen den Ramadan mit ihnen. Ramadan in Deutschland ist schwierig, erzählt mir einer. Alle essen und rauchen, nur du nicht. In Tunesien ist das natürlich anders, ein Gemeinschaftsereignis. Der Mann ist in Italien aufgewachsen und lebt jetzt in München. Aber beide Länder mag er eigentlich nicht. Viele sind wohl Wanderer zwischen zwei Welten. Die meisten Frauen sind mit Kopftuch unterwegs, viele sorgfältig schön eingepackt. Daneben sind auch westlich gekleidete Frauen da. Aber ich bin irgendwie irritiert. Bei einem zufälligen, für mich ganz normalen Augenkontakt habe ich ein schlechtes Gefühl. Nie würde ich es wagen, einer Frau richtig ins Gesicht zu schauen oder sie einfach anzulächeln. Seltsam für mich.
Das Zusammenleben ist schon sehr anders, arabisch wohl. Es wird viel diskutiert, gestikuliert, auch laut und lebendig. Es ist einfach sehr ungewohnt. Aber es wird mir zusagen, denke ich.

Das Schiff hinterlässt eine eindrückliche Fahne am blauen Himmel. Aber es ist ja auch riesig.

Wir erleben einen wunderprächtigen Sonnenuntergang am südlichen Ende von Sardinien.

 

  

2 Gedanken zu „Auf See

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