KlugscheissenMutterkühe

Meine Kühe liegen gerne

Kürzlich zog mich ein Bekannter als Sachverständigen bei. Auf einem Bauernhof machte er eine Beobachtung, die er nicht einordnen konnte. Er fragte sich, weshalb sich der Miststock in einem Gebäude befindet und warum der Mist auf der ganzen Fläche verteilt war. Ich war etwas überrascht über die Frage. Aber eigentlich ist sie durchaus nachvollziehbar. Deshalb hier die Erklärung.

Kühe liegen viel und gerne. Wenn sie nicht fressen, liegen sie meist. Beim Wiederkäuen sowieso. Aber wo liegen sie? Auf der Weide liegen sie an einer möglichst ebenen Stelle, vielleicht etwas erhöht, wenns geht. Im Stall liegen sie an der komfortabelsten Stelle, die zur Verfügung steht. Trocken und weich sollte es sein. Nun haben Kühe leider eine unpraktische Seite. Sie haben keinen Sauberkeitsfimmel. Sie liegen zwar gerne trocken, aber sie verhalten sich nicht so, daß es da auch trocken bleibt. Nach dem Aufstehen wird erstmal gepinkelt und geschissen, einfach so mitten ins Bett. Sie meinen es nicht bös, sie kennen es nicht anders. Auf der Weide ist das ja kein Problem. Im Stall muss halt der Bauer für Ordnung sorgen. Dafür gibts verschiedene Lösungsansätze.

Im Anbindestall wird die Länge der Stand- bzw Liegefläche optimiert, so dass das Läger möglichst sauber bleibt.

Im Laufstall gibt es zwei Ansätze: Tiefstreue und Boxen.

Im Boxenlaufstall wird der Liegebereich mit Liegeboxen möbliert. Die Kühe gehen kopfvoran hinein, der Hintern bleibt hinten, und die Ausscheidungen bleiben hoffentlich ausserhalb der Box und verschmutzen nicht den Liegebereich. Die Boxen werden mit verschiedenen Materialien eingestreut. Am verbreitetsten ist kurzes Stroh. Bei uns ist dieses System üblich, weil es wenig Stroh braucht. In der Mutterkuhhaltung wird zusätzlich ein Abteil für die Kälber mit Tiefstreue eingerichtet. Liegt trotzdem ein Jungtier in eine Boxe, wird die Boxe häufig verschmutzt, weil Boxe und Tier in der Grösse nicht zusammenpassen.

Bei der Tiefstreue liegen die Tiere auf einer offenen Fläche, die eben tief, das heisst grosszügig, eingestreut wird; meist mit Stroh. Es wird so viel eingestreut, dass Kot und Harn einfach verschwinden in der Mistmatratze. Das heisst: es muss wirklich viel gestreut werden. Es braucht viiiiel Stroh. Deshalb ist dieses System eher auf Betrieben anzutreffen, die genügend eigenes Stroh zur Verfügung haben.

Ich bin ein Anhänger der Tiefstreue. Ich kaufe viel Stroh, aber meine Tiere können alle zusammen liegen, wie es ihnen passt, und sie sind sauber. Das ist es mir wert.

Der vermeintliche Miststock, den mein Bekannter sah, war kein Miststock, sondern die Tiefstreufläche in einem Kälberstall

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