TunesienUncategorized

Tunis – Warten 3rd Ed.

Wir machen uns langsam auf den Heimweg. Da gibt es ja schon im Voraus eine Geschichte. Abfahrt war ursprünglich geplant auf 22.00, mit Ankunft in Genua um Mitternacht. Das wurde geändert auf 24.00, und die Ankunft auf 12.00. Später kam die Info, dass wir sieben Stunden vor Abfahrt da sein müssen. Wir planten genug Zeit ein. Wenn wir früh sind, sind wir früh auf dem Schiff und können früh schlafen. Dachten wir.


Am Hafen in Tunis, in La Goulette, geht es wieder lustig zu und her. Auf dem Parkplatz werden wir von einer Gruppe Tunesier empfangen. Wir sind wirklich früh, halb vier, es ist noch nichts los, trotzdem tun alle sehr aufgeregt. Sie weisen uns weit vorne einen Platz zu und geben uns das Gefühl einer besonderen Behandlung. Wir wissen, dass es diesen halboffiziellen Service für die Erledigung der Papiere gibt und nehmen das grundsätzlich gerne in Anspruch. Ich möchte zuerst den Tarif aushandeln, setze mich jedoch leider nicht durch. Sie füllen ein paar Papiere aus und machen den Check-in. Wir genehmigen uns in der Wartezeit einen Kaffee.

Dieses Gesöff ist einmalig. Bazooka hoch drei, einfach unglaublich. Wir geben uns alle Mühe, aber ein Rest bleibt stehen.

Dann muss plötzlich alles wieder schnell gehen, wir wechseln Platz, müssen wieder warten, und dann kommen die Papiere zurück. Das von mir vorgängig ausgefüllte Formular sei nun doch nicht gültig, und sie füllen dasselbe nochmals auf italienisch aus. Viel Theater und Herumtelefoniererei. Ich bereue, dass ich nicht selber an den Schalter bin. Zuletzt gehts ums Geld, sie sagen, es ist Ramadan, wir wollen nichts. Die angebotene Summe ist dann doch zuwenig, und lieber hätten sie Euro und nicht Dinar, und vier Männer haben jetzt so viel gearbeitet…es ist richtig mühsam. Wir geben ihnen viel zuviel, damit Ruhe ist, Pia hat die Nerven nicht mehr. Dafür bekomme ich zuletzt einen Kuss auf die Glatze. Das ist ja auch was. Um halb sechs sind sie weg, sie finden bestimmt noch ein weiteres Opfer ich meine einen weiteren Kunden. Ich merke später, dass sie uns richtig hereingelegt haben. Ihre einzige Leistung war der CheckIn, ein Besuch am Schalter. Die Papiere, die sie ausfüllten, sind für den runden Ordner, die ganze Umparkiererei bringt rein gar nichts. Sie waren definitiv schlauer als ich, oder ich noch blöder als sie. Verkäufer wollen uns noch Plüschkamele und anderen Blödsinn verkaufen. Es ist wirklich unangenehm, die Toilette ist auch schrecklich. Wie es genau weitergeht, wissen wir nicht, es ist hier noch schlechter organisiert als in Genua, und das heisst doch etwas. Es ist glücklicherweise nicht so heiss. Wir warten hier gemeinsam mit den Autos, die auf eine frühere Fähre gehen. Unser liebe Helfer meinte, wir sollen mit denen schon mal zum Zoll, aber ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Ich will nicht in Palermo landen. Ein Angestellter sagt schon mal, für uns ginge es um acht los.


Die Palermoautos fahren weg, die Genuaautos werden zurückgepfiffen, ein Riesenbordell und Gehupe. Wir haben uns zum Glück nicht bewegt, warten einfach. Das haben wir gelernt hier.
Viertel nach acht geht es tatsächlich weiter. Passkontrolle, Stempel. Weiter zum Zoll. Ich glaube es nicht. Die Halle kenne ich doch. Und was jetzt, echt? Alles auspacken??? Alles auspacken. Ok, alles auspacken. Wir packen alles aus. Der Zöllner kommt, wir packen wieder ein. Passkontrolle, Auto eintragen, Stempel. Wir sind fertig, aber eingeklemmt in der Kolonne. Eine Italienerin nebenan macht grosses Drama wegen der Auspackerei. Da wird etwas geboten! Dann gibts Platz, wir fahren etwas Kofferslalom und stehen draussen, vor dem Schiff, in der nächsten Kolonne. Jetzt einfach aufs Schiff, bitte. Vor uns liegt eine tunesische Fähre. Die ist zwar schön rotweiss, aber wir wollen trotzdem nicht da drauf. Unsere Fähre muss sonstwo sein. Dann, kurz vor zehn, fährt ein Lotsenboot vorbei. Kurz darauf kehrt es zurück, und da ist sie ja, die Atlas. Ich drehe durch. Die kommt erst jetzt rein, muss noch entladen, und dann erst…oje. Wir dachten, nach dem Zoll gehts auf die Fähre und kurzum ins schöne Himmelbett. War wohl nicht ganz gut gedacht. Aufs Bett bin ich sowieso gespannt. Ich habe eine Honeymoonsuite gebucht. Aber da war ein anderes Schiff auf dem Plan, jetzt ist wieder die Atlas da, die wir kennen von der Hinfahrt. Da glaube ich einfach nicht so recht an das breite Doppelbett auf diesem alten Kahn.

Es ist 23.00. Die Fähre von Grimaldi fährt weg. Die Fähre von Grimaldi. Die Autos für Palermo waren zwei Stunden vor uns in der Pipeline. Und die Fähre fährt jetzt. Um 23.00. Das wird ja noch lustig. Pia schläft auf der Rückbank, und ich sollte eigentlich aufs WC. Wir haben Kaffee dabei, zum Glück, merci Pia, aber eben, Kaffee…nebendran fahren Autos vorbei, die von der Atlas kommen. Die gehen jetzt zum Passbüro, dann zum Zoll. Ich beneide sie nicht. Beim WC-Gang staune ich. Wir warten fast zuvorderst. Hinter uns stehen Autos. Und nochmals Autos. Zweihundert? Dreihundert? Vielleicht noch mehr. Sogar Berner hat es dabei. Wir sind gut positioniert, es war schon richtig, früh zu sein.
Viertel vor zwölf gehts weiter, etwa fünfhundert Meter, dann wird wieder aufkolonniert. Wir stehen jetzt direkt neben dem Schiff und schauen zu, wie die Container eingeladen werden. In Genua wurden zuerst die Autos verladen, und die Passagiere konnten ins Bett. Hier ist anderes Programm. Weit hinter uns hören wir ein minutenlanges Hupkonzert. Die Auflieger werden von weit hergeholt, mit drei Schleppern, viele Container. Der Verlad läuft nicht so speditiv wie in Genua. Und immer noch mehr. Und noch einer. Und wieder einer.

01.00. Die Zöllner tauchen auf, kontrollieren nochmals den Pass, schauen in den Kofferraum. Es geht offenbar um überzählige Personen. Dann fahren wir schon aufs Schiff, Deck 6, eine Treppe hoch, Lift in den Elften, Suite 110. 01.30 ist Feierabend. Das Schiff fährt irgendwann, ich schlafe längst. Wir erfahren am Morgen: Abfahrt war um halb drei.

Ein Gedanke zu „Tunis – Warten 3rd Ed.

  1. Tja, wenn einer oder zwei eine Reise tut kann er was erzählen. War ja nicht so einfach und hat offensichtlich viele Nerven gebraucht..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.